Seit Broadcom Ende 2023 VMware übernommen hat, sind die Lizenzkosten für die Virtualisierungsplattform explodiert. Perpetual Licenses wurden abgeschafft, Abonnement-Modelle mit Per-Core-Licensing eingeführt, Produkt-Bundles zusammengeschnürt. Viele mittelständische Unternehmen sehen ihre VMware-Kosten sich verdoppeln oder verdreifachen. Die logische Folge: Sie suchen Alternativen. Proxmox ist die stärkste Open-Source-Option — aber hält es wirklich mit VMware mit? Wir vergleichen ehrlich.
Die Ausgangslage 2026
Broadcom hat VMware radikal umstrukturiert. Produktlinien wurden zusammengefasst, das Partner-Ökosystem ausgedünnt, die Vertragsgestaltung verändert. Für Großkonzerne mit langjährigen Verträgen und dediziertem Account-Management sind die Änderungen verkraftbar. Für KMU sind sie oft existenzbedrohend teuer.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein mittelständischer Kunde mit drei ESXi-Hosts zahlte 2023 etwa 8.000 Euro pro Jahr für vSphere und vSAN. Im Renewal 2025 wurden ihm über 30.000 Euro angeboten. Die gleichen Features, das gleiche Setup — nur der Preis hat sich fast vervierfacht.
Was können beide Plattformen?
Funktional sind sich Proxmox VE und VMware vSphere erstaunlich ähnlich. Die Kern-Features decken sich weitgehend:
- Hochverfügbarkeits-Cluster mit automatischem Failover
- Live-Migration laufender VMs zwischen Hosts
- Storage-Replikation und Snapshot-Management
- Web-basierte Verwaltungsoberfläche
- Integrierte Backup-Funktionalität
- Rollen- und rechtebasierte Zugriffskontrolle
- REST-APIs für Automatisierung
- Integration mit Backup-Tools wie Veeam

Wo VMware stärker ist
Seien wir ehrlich: VMware hat in einigen Bereichen noch Vorteile, die man nicht wegdiskutieren sollte.
Enterprise-Support weltweit: Wenn um 3 Uhr nachts ein kritisches System ausfällt, bekommt man bei VMware-Enterprise-Verträgen 24/7-Support in allen Zeitzonen. Proxmox bietet zwar Enterprise-Support an — aber der ist primär europäisch organisiert und nicht so breit aufgestellt.
Hersteller-Zertifizierungen: Wenn Ihre Branchensoftware offiziell nur auf VMware zertifiziert ist und der Hersteller bei Problemen auf Proxmox die Unterstützung verweigert, ist das ein echter Hinderungsgrund. Das betrifft vor allem ältere ERP-Systeme und spezielle Branchenlösungen.
vSAN Maturity: VMwares Software-Defined Storage ist seit vielen Jahren produktiv im Einsatz. Proxmox setzt auf Ceph, das funktional mindestens gleichwertig ist — aber weniger lange als „Enterprise-approved“ gilt.
Wo Proxmox stärker ist
Kosten: Das offensichtlichste Argument. Proxmox ist Open Source — die Software selbst kostet nichts. Optional gibt es Enterprise-Support-Verträge ab 2.150 Euro pro Server und Jahr. Verglichen mit VMware-Lizenzkosten von 10.000 Euro pro Jahr aufwärts ist das ein drastischer Unterschied.
Open Source: Kein Vendor-Lock-in. Der Code ist einsehbar, modifizierbar, auditierbar. Sie sind nicht abhängig von einem einzelnen Hersteller — wenn dessen Geschäftsmodell sich ändert, wie bei VMware geschehen, können Sie weiter nutzen, was Sie haben.
LXC-Container: Proxmox unterstützt nativ LXC-Container parallel zu KVM-VMs. Für viele Workloads sind Container effizienter als VMs — bei VMware braucht man dafür zusätzliche Produkte wie Tanzu.
Ceph-Integration: Software-Defined Storage ist direkt integriert, ohne Zusatz-Lizenzen. Mit drei Nodes haben Sie bereits eine hochverfügbare Ceph-Installation — bei VMware müssen Sie vSAN separat lizenzieren.
Wann welche Plattform?
Für Konzerne mit bestehender vSphere-Infrastruktur, weltweitem Support-Bedarf und engen Compliance-Anforderungen durch Branchensoftware-Hersteller ist VMware trotz allem noch oft die richtige Wahl. Die Migrations-Kosten wären größer als die Einsparungen.
Für kleine und mittelständische Unternehmen, bei Greenfield-Projekten oder wenn bereits ein Renewal ansteht, ist Proxmox heute fast immer die bessere Wahl. Der Funktionsumfang reicht für 95% aller KMU-Anwendungsfälle — und die Kosten sind ein Bruchteil.

Konkreter Kostenvergleich: 3-Node-Cluster
Nehmen wir einen typischen 3-Node-Cluster für ein mittelständisches Unternehmen — 32 Cores pro Host, 512 GB RAM, 20 TB Storage.
VMware vSphere + vSAN: Die Kalkulation hängt vom aktuellen Produkt-Bundle ab, liegt aber typischerweise zwischen 30.000 und 50.000 Euro pro Jahr an Lizenzen. Dazu kommen optional Support-Verträge, Schulungen und spezielle Zertifizierungen.
Proxmox + Ceph: 0 Euro Software-Lizenzen. Optional Enterprise-Support: etwa 6.500 Euro pro Jahr für den gesamten Cluster (drei Nodes). Das war’s.
Ersparnis: 24.000 bis 44.000 Euro pro Jahr. Über eine typische Hardware-Nutzungsdauer von fünf Jahren sind das 120.000 bis 220.000 Euro. Bei drei Nodes. Für mittelständische Unternehmen sind solche Beträge keine Kleinigkeit.
Migration von VMware zu Proxmox
Technisch ist die Migration weniger aufwendig, als viele glauben. VMware VMs im VMDK-Format können in Proxmoxs QCOW2-Format konvertiert werden — oft sogar im laufenden Betrieb mit Tools wie v2v-Migration. Bei epta begleiten wir solche Migrationen regelmäßig. Der kritische Teil ist die Planung: Welche Workloads zuerst, welche Tests, welche Rollback-Szenarien? Der eigentliche technische Umzug ist Routine.
Unser Fazit
Für die meisten KMU ist Proxmox heute die bessere Wahl — wirtschaftlich UND technisch. Die Zeiten, in denen man Proxmox als „Linux-Bastler-Lösung“ abtun konnte, sind lange vorbei. Proxmox VE ist enterprise-tauglich, produktiv im Einsatz bei tausenden Unternehmen, und wird aktiv weiterentwickelt.
VMware bleibt für spezielle Enterprise-Anforderungen relevant — aber das sind immer weniger. Wer 2026 vor einer Entscheidung steht, sollte Proxmox ernsthaft prüfen. Eine Migration ist weniger riskant, als die meisten denken — und die Einsparungen können dramatisch sein.
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